Geschichts- und Erinnerungstafelprojekt zu polnischen Gräbern in Meppen
Geschichte, Handwerk und Erinnerung: Schulen setzen Zeichen auf Meppener Friedhof
Seit dem 1. September arbeiten Schülerinnen und Schüler des Windthorst-Gymnasiums Meppen im Rahmen des Seminarfachs „Den Toten einen Namen geben“ an einem Geschichts‑ und Erinnerungstafelprojekt zu den polnischen Gräbern auf dem Friedhof Markstiege in Meppen. Ziel des Projekts ist es, die oftmals anonym gebliebenen Schicksale polnischer Kriegsopfer während und nach dem Zweiten Weltkrieg sichtbar zu machen und dauerhaft im öffentlichen Raum zu verankern.
Das polnische Gräberfeld in Meppen besitzt eine besondere historische Bedeutung. Hier sind nicht nur zahlreiche polnische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter bestattet, sondern auch viele Soldaten der 1. Polnischen Panzerdivision, die im Frühjahr 1945 an der Befreiung des Emslandes beteiligt war. Ebenso wurden dort polnische Menschen bestattet, die zu Kriegsende eine vorübergehende Heimat in Maczków fanden.
Im Mittelpunkt der Projektarbeit stand eine Recherche zu den Hintergründen der polnischen Gräber. Bereits nach ersten Friedhofsbesuchen und Archivrecherchen wurde deutlich, dass es sich überwiegend um sehr junge Kriegstote handelt. Das jüngste bekannte Opfer, ein Mädchen namens Zochna Chechlinska, war lediglich sieben Tage alt. Viele der Betroffenen starben erst nach Kriegsende, meist an den Folgen von Inhaftierung, Zwangsarbeit und Deportation oder aufgrund der mangelhaften Hygiene- und Versorgungssituation in den Nachkriegsjahren. Da es in Meppen nach 1945 ein polnisches Krankenhaus gab, verstarben zahlreiche Menschen dort.
Neben der historischen Recherche spielte auch erfahrungsbasierte Erinnerungsarbeit eine wichtige Rolle. So besuchten die Schülerinnen und Schüler die Inselmühle in Haren, um sich ein Bild von der polnischen Nachkriegsenklave Maczków zu verschaffen.
Ein exemplarisches Schicksal, das auf den Erinnerungstafeln dargestellt wird, ist das von Katarzyna Deskur. Mit Unterstützung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnte ein Angehöriger der Familie ermittelt werden, der den Schülerinnen und Schüler in einem online durchgeführten Interview über seine Familie berichtet hat.
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die enge schulübergreifende Zusammenarbeit. Schülerinnen und Schüler der BBS Meppen unterstützten das Vorhaben maßgeblich. Sechs Schüler der Berufseinstiegsklasse Metall/Holz (BEMH) fertigten die Tragekonstruktion für die Erinnerungstafeln in sorgfältiger Handarbeit an.
Im Rahmen des Projekts entstanden zwei Informationstafeln, die bewusst zweisprachig (Deutsch und Polnisch) gestaltet sind, um sowohl der regionalen Öffentlichkeit als auch dem internationalen historischen Bezug gerecht zu werden. Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch den Förderverein des Windthorst-Gymnasiums Meppen, der Reservistenkameradschaft Meppen und der Verein zur Förderung der ermländisch-masurischen und emsländischen Freundschaft e.V..
Die Erinnerungstafeln sind seit dem 25. April neben dem polnischen Gräberfeld auf dem Friedhof Markstiege öffentlich zugänglich.
Foto und Bericht: D. Brüsse-Haustein