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MINT-Wahlfach veröffentlicht im Umweltmagazin der NOZ

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Biologie-MINT-Fach – Stadtökologie

Jede Biene zählt!

„OMG, wie soll ich mit solchen Biesten arbeiten?“ Sie sind so unansehnlich, klein und können auch noch stechen. Aber den meisten Menschen fallen sie gar nicht auf, unsere kleinen Wildbienen, Wespen und Vögelchen. Und es fällt erst recht nicht auf, wenn diese Insekten und bestimmte Vogelarten aus unserem näheren Umfeld verschwinden (z. B. im Garten, im Park oder auf dem Schulgelände). Doch gerade Kleinstädte wie Meppen bieten so viele Möglichkeiten, dies zu verhindern.
Wir, die Schüler der 8. Klasse des Windhorst-Gymnasiums Meppen treffen uns jeden Dienstagnachmittag zu unserem MINT-Fach Biologie. Unsere MINT-Gruppe interessiert sich sehr für die Natur. Um ihr ein wenig zu helfen, haben wir die 16 Schüler, in fünf unterschiedlichen Gruppen Nisthilfen für die Hautflügler (Bienen, Wespen, Wildbienen usw.) gebaut. Eine Gruppe beschäftigt sich sogar mit dem Bau von Vogelkästen für verschiedene Meisenarten. Dadurch, dass wir den Hautflüglern Nisthilfen bereitstellen, sagen wir indirekt „Danke“. Denn sie sind eine der kleinsten Helfer und bringen unsere Blumen zum Blühen und Früchte an die Bäume. Ohne sie wäre unsere Welt nicht mehr so farbenfroh und lebendig. Sie tun so viel für uns, weshalb wir auch etwas für sie getan haben. Doch bevor wir diesen Tieren eine Chance geben, im Asphaltdschungel zu überleben, müssen wir erst einmal wissen, welche Tiere sich hier tummeln. Es ist also eine Bestandsaufnahme fällig. Um hier bereits etwas strukturierter vorgehen zu können, haben wir bereits spezielle Themengebiete eingekreist: Wildbienen und Höhlenbrüter.
Experten sind immer wichtig
Als erstes erfolgte eine ornithologische Exkursion, die freundlicherweise von Frau Dr. Over des NABU Meppens abgehalten wurde. Hierbei zeigte sich sehr schnell, dass Höhlenbrüter häufig im näheren Schulumfeld vorkamen und diese auch schon spezielle Nisthilfen angenommen hatten. Damit war klar, dass sich eine Gruppe hierum kümmert und eine selbstkonstruierte Nisthilfe baute.
Nach einem Intensivkurs zur Honigbiene und ihrer Haltung von einem ortsansässigen Imker, Herrn Grebber (ein Stadtimker neben unserer Schule!), waren wir zunächst einmal sehr beeindruckt über die Schwerstleistungen, die die Honigbienen jedes Jahr vollbringen. Aber auch die Masse an nahen Verwandten war beeindruckenden. Von der Ameise bis zur Hornisse war alles dabei. Für viele Menschen steht der Begriff „Biene“ ausschließlich für die Honigbiene mit ihrem komplexen Sozialstaat, obwohl es sich hier genau genommen eher um die Ausnahme im Bienenreich handelt. Hat man dagegen begonnen, sich mit diesem faszinierenden Thema auseinanderzusetzen, sieht man plötzlich nur noch Wildbienen in seinem Garten.

Klein und bedroht
In ganz Mitteleuropa tummeln sich 750 Arten, in Deutschland sind es etwa 560 Arten. Viel zu lange standen sie im Schatten der Honigbiene, erst in jüngster Zeit wurde ihre bisher weit unterschätzte Bedeutung bei der Bestäubung von Blütenpflanzen wahrgenommen und wir wollen nun unseren Beitrag dazu leisten. Besonders, da durch Intensivierung der Landwirtschaft, Landschaftsversiegelung, verstärktem Pestizideinsatz auch im privaten Bereich und neue Gartentrends wie die „Steinwüsten auf Gartenfließ“, der Lebensraum der Wildbienen immer kleiner wird. Auf den Bundesdeutschen Roten Listen schwankt die Anzahl der Wildbienenarten, die hier auftauchen, je nach Bundesland zwischen 38% – 68%.
Das Who is Who unserer Wildbienen
Hier beginnt der schwierige Teil unserer Arbeit. Klein, schnell und rastlos, das sind Stichworte, die diese Arbeitsphase mit unseren Zielobjekten charakterisieren. Und hier steht uns noch ein Stück Arbeit bei den Bestimmungsübungen bevor. Häufig vorhanden waren Sandbienen und Erdwespen, die sich auf Rasenflächen und in den Randbereichen der Sandbunker rund um die Spielgeräte angesiedelt hatten. Aber interessanter waren die Kandidaten, die sich an Spalten, Fugen und Mauerlöchern fanden, und davon besitzt unsere frisch sanierte Schule nicht mehr viele. Also waren wir gefragt, um hier Abhilfe zu schaffen. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) waren hier die häufigsten Arten. Aber auch Hummeln, wie die Dunkle Erdhummel(Bombus terrestris) oder die Helle Erdhummel (Bombus lucorum), waren zu diesem Zeitpunkt sehr aktiv. Für sie planten wir dann spezielle Nisthilfen.
Wir müssen also etwas in unseren ausgeräumten Landschaften tun und wir fangen damit rund um unsere Schule an, um auch andere damit anzustecken.
The way to hell is payed with good intentions!
Viel Recherchearbeit und viele Fehlschläge standen zu Beginn unserer Arbeit. Wir mussten lernen, dass Bienenhotels für Insekten gemacht werden und nicht für das schicke Aussehen im Garten. Man kann viel falsch machen, so z. B. das bequeme Anbohren im Stirnholz oder das Verwenden von einfach zu bohrenden Weichhölzern, was man häufig bei den Baumartexemplaren findet. Auch bestimmte langfaserige Hölzer, wie die Lärche sind tabu. Schnell fanden wir heraus, das oftmals 70 % der Einbauten der Baumartnistkästen schön aussehen, aber wenig zielführend sind und unbesetzt bleiben.
Die Lochbohrungen dürfen nicht ausgefranzt sein (zu hohe Verletzungsgefahr unser kleinen Freunde), nicht zu groß und nicht zu klein. Auch muss das Verhältnis von Lochgröße und Bohrtiefe korrekt sein. Die Hölzer müssen unbehandelt und gut durchgetrocknet, aber trotzdem riss frei sei. Spätesten nach der vierten Recherchestunde ließen wir uns dann nicht weiter beirren und fingen mit der Arbeit an. Darauf folgten dann die praktischen Probleme. Jetzt musste erst einmal der Handwerker in uns reifen und unser Lehrer musste uns technische Einweisung geben („Was ist noch gleich eine zwanziger Lochfräse?“). Auch wenn sich dies alles sehr frustig anhört, so macht das Selbstbauen richtig viel Spaß.

Der älteste Baustoff der Welt gefällt auch den Bienen.
„Der Klinkerlochstein ist ein Muss in einem Bienenhotel“, dachten wir, aber weit gefehlt. Sie besitzen so gut wie gar keinen Wert für unsere Wildbienen und werden höchsten besetzt, wenn sie durchgängig mit Tonerde gefüllt sind. Aber auch hier können die grabenden Adressaten sich nicht frei genug entfalten. Gute Erfahrungen machten wir mit unseren selbst getöpferten Tonsteinen. Hier profitierten wir von unseren Erfahrungen mit den Hölzern und der Tatsache, dass unsere Schule einen großen Tonofen besitzt.
Optimal sind auch Naturstoffe wie Schilfrohr, dünner Bambus und Naturstrohhalme. Sie gewährleisten eine natürliche Belüftung bzw. ein gutes Raumklima. Wichtig ist nur, dass sie im im Querschnitt nicht zu groß geraten. Aber hier ist es gut, selbst kreative Neuentdeckungen von Materialien auszutesten. Interessant ist hier ein Beobachtungskasten für die Bienenbrut, der nicht aus Glasröhren besteht (Schwitzwasser kann zu Schimmelbildung führen), sondern aus einer Holzkonstruktion mit Plexiglasfenstern besteht. Diese Konstruktion ist jedoch nichts für Anfänger und bedarf eines speziellen Maschineneinsatzes.
Die fertigen Nisthilfen kann man am besten in verschieden kleineren Einzelkombinationen auf dem dafür vorgesehen Gelände verteilt werden, wobei man sich an den Nahrungsquellen und der Ausrichtung zur Wärme orientieren sollte. Wärme und ein Dach über dem Kopf scheint das Geheimrezept für eine erfolgreiche Wildbienenzucht zu sein. Wir haben uns an unserer Schule aber dennoch für eine Großlösung mit Dach und Schautafel entschieden, da unsere Mitschüler diese so besser beobachten können.

Was wollen wir noch?
Zukünftig kümmern wir uns um die Erkundung per quantitativer Erfassung von Bienenwiesen, die auch für die Kleinstlebensräume in unserer Stadt geeignet sind (z. B. Blumentöpfe mit Wildblumen). Hier bei unterstützt uns unser Stadtimker mit seinen Experimentierfeldern für Bienen. Auch anatomische Besonderheiten bei Bienen werden u. a. noch erforscht (auch mikroskopisch) bei einem ortsansässigen Verein, der Imme-Schule, die uns hierbei unterstützt, erforscht. Unsere Eigentliche Zielsetzung ist es jedoch, möglichst viele Menschen auf dieses Thema aufmerksam zu machen, wichtige Informationen weiterzugeben und andere zu animieren, selbst aktiv zu werden. Beginnen wollen wir an unserer Schule. Hier erreichen wir in diesem Jahr besonders viele Menschen mit einem Info- und Verkaufsstand auf unserer 375-Jahrfeier im September. Aber das Anlegen unserer Nisthilfen und das Anlegen von Bienenweiden werden wir auf das Stadtgebiet ausweiten und hoffen, hierfür neue Bienenaktivisten in der Bevölkerung zu gewinnen.
Das Thema bleibt ansteckend
Am Ende unserer Ausführungen machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, dass diese winzigen fliegenden Kunstwerke der Natur absolut harmlos sind. Obwohl die anatomischen Voraussetzungen zum Stechen theoretisch vorhanden sind, ist dies praktisch kaum möglich. Diese Bienen sind absolut nicht aggressiv und die menschliche Haut ist für sie so gut wie undurchdringlich. Somit stellen hier Allergien auch kein echtes Problem dar. Also steht Euch nichts im Wege selbst beim sozialen Wohnungsbau für Wildbienen teilzunehmen. Kein Raum ist zu klein, um sinnvoll genutzt zu werden. Viel Spaß dabei, Leben in Eure Vorgärten zu bringen!

Alicia Andrees, Klasse 8a
Merle Schlömer, Klasse 8b
Lysander Willens, Klasse 8b
Julie Leffers, Klasse 8c


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