Leiter der hiesigen Gymnasien begrüßen Beschluss der Landesregierung zur KlassenreduzierungIn einigen Klassen in Niedersachsen können manche Schüler ab Herbst gleich zwei Sitzplätze belegen. Mit dem Beginn des Schuljahres 2012/2013 haben sie deutlich mehr Platz als bisher. Der Grund: ein Beschluss der Landesregierung, der eine Reduzierung der Klassenstärke vor allem im Gymnasial- und Grundschulbereich vorsieht. Eine Entscheidung, die die Leiter der hiesigen Gymnasien begrüßen.
„Kleinere Klassen sind allgemein dringend erforderlich“, sagt Ute Lott auch im Hinblick auf die sich verändernde Schülerschaft und die daraus erwachsene Zunahme der Anforderungen an die Schule. Die stellvertretende Leiterin des Meppener Windthorst-Gymnasiums erwartet hierdurch positive Auswirkungen auf Unterrichtsmethodik und Betreuung des einzelnen Schülers. Beobachtung, Möglichkeiten zur Beratung und Förderung würden verbessert.
Der Jahrgang 10 habe als Einführungsphase in die Qualifizierungsphase neue zusätzliche Aufgaben bekommen. In ihm müssten „bei einer gegenüber früher noch sehr jungen Schülerschaft Grundlagen für die Bewältigung der Qualifizierungsstufe gelegt oder gesichert und die individuell sinnvolle Spezialisierung für die Prüfungsfächer eingeleitet und mit den Prüfungsfachwahlen vollzogen werden“. Daneben würden neu aufgenommene Schüler an die gymnasiale Arbeitsweise herangeführt. Alle Aufgabenbereiche erforderten eine stärkere Individualisierung. Kleinere Klassen findet Lott dafür nicht nur wünschenswert, sondern bezeichnet sie als „unbedingt erforderlich“. Für das Meppener Windthorst-Gymnasium bedeute die neue Höchstzahl von 26 Schülern pro Klasse 10 die Chance, diesen Anforderungen in jedem Jahrgang gerecht zu werden. Die Klassenstärke der jetzigen neunten Klassen am WGM liege aber bereits ungefähr bei der zukünftigen Höchstzahl.
Noch nicht sagen lasse sich nach Auskunft Lotts, „ob die neue Höchstzahl für uns Auswirkungen für den neuen Jahrgang 10 haben wird“. Ob man dann fünf oder sechs Parallelklassen anbieten werde, sei momentan noch nicht festgelegt. Erst in der letzten Schulwoche werde sich zeigen, wie viele Schüler im kommenden Schuljahr am WGM im 10. Jahrgang sein werden. Das liege auch daran, dass die Schule jedes Jahr Schüler mit qualifiziertem Realschulabschluss in die Klasse 10 aufnimmt.
Auch Leo Pott befürwortet den Beschluss der Landesregierung. Kleinere Klassen seien nur zu begrüßen. Der Leiter des Meppener Gymnasiums Marianum hofft, dass die mit der Entscheidung einhergehenden Verbesserungen auch für Privatschulen wie seine umgesetzt werden könnten. Die Klassenverkleinerung hält er bei Verkürzung der Schulzeit (G 8), „verdichtetem Unterricht“ und sich deutlich verändernder Schülerlandschaft für „dringend notwendig“. Pott sagt dies gerade mit Blick darauf, dass der Jahrgang 10 als Einführungsphase der Qualifikationsphase (für Jahrgang 11/12) ein besonderer sei. Hier würden die Grundlagen für die Oberstufe gelegt beziehungsweise stabilisiert, Schwerpunkte des Abiturs sondiert und vorbereitet, neue Schüler integriert.
Eine entsprechende Reduzierung der Klassenstärken auch in der Unter- und Mittelstufe hält Pott für notwendig und längst überfällig. Dadurch würden die Übergänge von Grundschulen zu Gymnasium und die Sicherung der Durchlässigkeit (spätere Übergänge von Oberschulen) erleichtert sowie Unterrichtsmethodik und individuelle Förderung klar verbessert.
August Busse stimmt dem zu. Der Leiter des Haselünner Kreisgymnasiums erhofft sich durch die Reduzierung der Klassenstärken positive Auswirkungen. Für ihn ist der Beschluss der Landesregierung die „logische Konsequenz nach der Reduzierung der Klassenzahlen“. In Haselünne gab es aktuell vier Klassen 8, die in drei Klassen 9 übergingen. Nach dem Erlass würden aus diesen drei neunten Klassen nun vier zehnte Klassen.
„Eine längst überfällige Maßnahme“ ist die Verkleinerung nach Auffassung von Michael Heuking. „Immerhin ist die Jahrgangsstufe 10 als Einführungsphase in die Profiloberstufe eine nicht zu unterschätzende Gelenkstelle der gymnasialen Laufbahn“, sagt der Leiter des Harener Gymnasiums. An seiner Schule werde es im kommenden Schuljahr wegen der günstigen Schülerzahlen der Klassenstufe 9 keine zusätzliche Klasse geben. „Für die Zukunft ist das allerdings nicht auszuschließen, da die Klassen 7 bis 9 nach den auch jetzt noch gültigen Vorgaben mit bis zu 32 Schülern belegt werden müssen.“
Auch in der Unter- und Mittelstufe sei es notwendig, die Klassenstärken zu verringern. „Für die Klassen 5 und 6 ist eine Reduzierung von 32 auf 30 Schüler von ministerieller Seite bereits erfolgt und soll bis zur Klassenstufe 9 fortgeschrieben werden“, so Heuking, der sich aber eine noch deutlichere Senkung wünscht. Er begründet dies mit „der erforderlichen Binnendifferenzierung und der Inklusion, die die Schulen vor große Herausforderungen stellen wird“. Zudem seien die vorhandenen Klassenräume für eine wesentlich kleinere Schülerzahl pro Klasse konzipiert worden.
Quelle: Meppener Tagespost vom 08. Juni 2012 Text C. Alge und T. Gallandi Foto: C. Alge
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