Anne-Frank-Tag 2019

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 „Es ist ein Wunder, dass ich nicht alle Erwartungen aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unausführbar. Trotzdem halte ich an ihnen fest, trotz allem, weil ich noch immer an das Gute im Menschen glaube.“ – Anne Frank am 15. Juli 1944

Am 12. Juni 2019 wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden. An ihrem Geburtstag erinnern bundesweit rund 40.000 Schülerinnen und Schüler an das jüdische Mädchen, an ihr weltberühmtes Tagebuch und an die sechs Millionen Opfer des Holocaust. 250 Schulen beteiligen sich am diesjährigen Aktionstag des Anne-Frank-Zentrums in Berlin. 

Annelies Marie Frank, genannt Anne, ist als Tochter von Otto Frank (1889-1980) und Edith Frank-Holländer (1900-1945) am 12.06.1929 geboren worden. Nach der Machtübernahme Hitlers war die jüdische Familie im Jahr 1933 gezwungen, ihr bisher friedliches Leben aufzugeben und nach Amsterdam zu flüchten.

Nachdem die Nationalsozialisten jedoch in die Niederlande einmarschierten, war die vierköpfige Familie gezwungen, am 06 Juli 1942 unterzutauchen, da Annes Schwester Margot (1926-1945) am Tag zuvor zum Arbeitseinsatz in den Osten gerufen wurde. Da Otto Frank davon ausging, dass die Juden in Amsterdam dasselbe Schicksal ereilen würde wie den Juden in Deutschland, überlegte er sich zusammen mit seinen nicht-jüdischen Angestellten, wie seine Familie beschützt werden könnte. Als die schlimmste Befürchtung eintrat, tauchte die Familie Frank gezwungenermaßen im Hinterhaus der Firma von Otto Frank unter. 

Weil das Hinterhaus genug Platz bot, um noch eine weitere Familie aufzunehmen, folgte eine Woche später die Familie van Pels. Im November desselben Jahres zog Fritz Pfeffer zusätzlich in das Haus ein, in dem sie unter schweren Bedingungen zusammen lebten. So lebten sie in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Sie durften die zwei Jahre lang, die sie sich im Hinterhaus versteckt hielten, tagsüber nicht in normaler Lautstärke reden, Radio hören, das Fenster auflassen oder die Klospülung benutzen. Anne Frank schreibt dazu: „Ich sehne mich so … ich sehne mich so nach allem …Nach Reden, nach Freiheit, nach Freunden, nach guten Neuigkeiten!“ Überdies kam es unter den acht Versteckten oft zu Konflikten. Deshalb schrieb Anne am 28. September 1942: „Ich finde es sehr komisch, dass erwachsene Menschen so schnell, so viel und über alle möglichen Kleinigkeiten Streit anfangen. Bisher dachte ich immer, dass nur Kinder sich so zanken und dass sich das später legen würde.“ 

Durch die sechs Helfer gelang es ihnen, über zwei Jahre unentdeckt dort zu leben, bis sie am 4. August 1944 verraten und verhaftet wurden. Anschließend wurden sie in KZ-Lager gebracht, wo sie ihrem Ende entgegenblickten. Otto Frank war der einzige der acht Untergetauchten, der den Holocaust überlebt hat. Anne Frank starb im Februar 1945 ein paar Tage nach ihrer Schwester an Typhus im KZ Bergen-Belsen.

Anne Frank wollte Schriftstellerin werden. Es war ihr Wunsch, nach dem Krieg ein Buch über das Hinterhaus zu veröffentlichen. Den Entschluss, ihr Tagebuch zu überarbeiten, fasste sie im Frühjahr 1944, als die niederländische Exilregierung in London Niederländer dazu aufrief, Aufzeichnungen und Tagebücher zur Dokumentation über die Besetzung der Nazis aufzubewahren, um sie nach dem Krieg zu veröffentlichen. „Stell Dir vor, wie interessant es wäre, wenn ich einen Roman vom ‚Hinterhaus‘ veröffentlichen würde“, schreibt sie am 29. März 1944 in ihr Tagebuch. 

Sie war stark und entschlossen, etwas zu bewirken. Am 11. April 1944 schrieb sie: „Ich weiß, was ich will, habe ein Ziel, habe eine eigene Meinung, habe einen Glauben und eine Liebe. Lasst mich ich selbst sein, dann bin ich zufrieden. Ich weiß, dass ich eine Frau bin. Eine Frau mit innerer Stärke und viel Mut! (…) Ich werde nicht unbedeutend bleiben, ich werde in der Welt und für die Menschen arbeiten.“

Ihr letzter Tagebucheintrag stammt vom 1. August 1944. Vier Tage später wurden die acht Untergetauchten verraten. Das einzige, was von Anne bleibt, ist ihr Tagebuch, das ihr Vater 1947 nach reiflicher Überlegung veröffentlichte. Auch wenn Anne Frank sich nie selbst ihren Traum erfüllen konnte, lebt sie durch die Stimme in ihrem Tagebuch weiter fort. „Oh ja, ich will nicht umsonst gelebt haben wie die meisten Menschen. Ich will den Menschen, die um mich herum leben und mich doch nicht kennen, Freude und Nutzen bringen. Ich will fortleben, auch nach meinem Tod“, lautet es in einem Eintrag am 5. April 1944.

Es ist wichtig, sich an die Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu erinnern. Anne Franks Tagebuch ist bewegend und prägend, es vermittelt die Ängste der Juden im Zweiten Weltkrieg. „Einmal wird dieser schreckliche Krieg doch vorbeigehen, einmal werden wir doch wieder Menschen und nicht nur Juden sein!“, schrieb sie am 11. April 1944.

Obwohl Anne Frank nur ein Mädchen von 14 Jahren war, erkannte sie damals schon die grausame Realität, in der sie sich befand. „Das ist das Schwierige in dieser Zeit: Ideale, Träume, schöne Erwartungen kommen nicht auf, oder sie werden von der grauenhaftesten Wirklichkeit getroffen und vollständig zerstört. Es ist ein Wunder, dass ich nicht alle Erwartungen aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unausführbar“, schrieb sie am 15. Juli 1944

Trotz der langen Zeit, in der sie sich mit den anderen sieben Untergetauchten verstecken musste, hat sie niemals ihren Mut, ihre Stärke und ihre Hoffnung verloren. So schrieb sie am 11. April 1944: „Seid mutig! Wir wollen uns unserer Aufgabe bewusst bleiben und nicht murren, es wird einen Ausweg geben. (…) Die Schwachen fallen, aber die Starken bleiben übrig und werden nicht untergehen!“

Anne Frank hat uns vieles gelehrt und bleibt durch ihre Stimme in Erinnerung: „Denk an all das Schöne, dass noch um dich ist und sei fröhlich!“ Wir feiern den Anne-Frank-Tag mit einer Plakatausstellung in Halle F zum Gedenken an diese starke Person. 

Mariana Büter, Lea Esser und Marie Wolken (10c)


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